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Von der Antike hin zum Keltentum bis ins christliche Mittelalter und unsere Gegenwart zählt der Schwan fraglos zu jenen Wesen, die seit jeher eine große Faszination auf den Menschen ausüben. Weiße Schwäne mit königlicher Pracht und voller Majestät sind das mystische Sinnbild anmutiger und stolzer Gelassenheit, sind Symbol für Schönheit, Reinheit und Treue, für wahre Liebe und Verwandlung, für Eitelkeit und Metamorphose, für Göttliches und Diabolisches zugleich.
Darüber hinaus stehen Schwäne mit ihrem rundlichen Körper und langen dünnen Hals für die Vereinigung des weiblichen und männlichen Prinzips. Aber auch ihr weißes Federkleid dürfte dazu beitragen, dass Schwänen etwas Vollkommenes anhaftet.
Schwäne: Mythos und Gegenwart
Über den Schwan gibt es viele Mythen.
Es ist bekannt, dass wandernde Stämme immer ihre Götter mit sich führten. Wenn der Schwan in der griechischen Mythologie eine Rolle spielt, so muss sein Bild als eines in Griechenland ursprünglich nicht heimischen Vogels von Einwanderern mitgebracht worden sein.
Die „griechischen“ Stämme sind in zwei Wanderwellen nach Griechenland gekommen: die erste um 2000 v. Chr., die zweite – um 1200 v. Chr. Ihre ursprüngliche Heimat wird im Norden Europas angenommen: das Land Hyperborea.
Einer der wichtigsten griechischen Götter war Apollon.
In der Sage um Apollon, dem blond gelockten Gott des Lichtes, der Musik, der Wahrsagekunst und des Todes, wird seine Herkunft aus dem Norden ausdrücklich erwähnt. Apollons Mutter Leto sei im sagenumwobenen Land Hyperborea, hoch im Norden jenseits des Nordwindes boreas, geboren. Laut Diodor sei dieses Land „eine Insel von der Größe Siziliens im Ozean (Okeanos) jenseits des Landes der Kelten gelegen und mit einem ausgesprochen milden Klima gesegnet, wodurch die Insel auch außerordentlich fruchtbar sei “.
Man glaubte, die Ufer des Landes seien vom Weltenstrom Okeanos bespült, welcher erfüllt sei von singenden heiligen Schwänen.
Als Apollon das Licht der Welt erblickte, umkreisten die heiligen Schwäne die Insel Ortygia, die Apollon als Zeichen der Dankbarkeit für die Aufnahme seiner Mutter zum Zentrum der griechischen Welt bestimmte und ihr den Namen Delos, die "Leuchtende", verlieh.
Apollon hält der Sage nach durch häufige Besuche weiterhin Verbindung mit seinen Vorfahren, den Hyperboreern. Er fände dort mehr als alle anderen Götter Verehrung. Zudem befänden sich dort ein heiliger Bezirk und ein Tempel Apollons. Sein Begleittier ist der singende Schwan. Sein Wagen wird von heiligen Schwänen gezogen.
Einen ganzen Sagenkranz nun flechten die Griechen um das schöne, heilige Tier, um es schließlich als Himmelsbild unsterblich zu machen:
Es gibt acht verschiedene Arten von Schwänen. Bei dem Sternbild ist der Singschwan gemeint. Der Schwan fliegt als Sternbild in der Milchstraße. Der helle Stern a = Déneb (arabisch = Schwanz). Den Kopf streckt er südwärts: b = Albíreo (arabisch = Vogel). Es ist ein sehr schöner Doppelstern, blau und weiß, für kleine Fernrohre. Aufgrund seiner charakteristischen Form wird der Schwan auch als Kreuz des Nordens bezeichnet. Die hellen Sterne setzten sich gut von der hier sehr hellen Milchstraße ab.
Der Schwan am Himmel erinnert an ein Abenteuer vom umtriebigen Göttervater Zeús, der in Léda, die Gemahlin des Königs Tyndáreos von Sparta, verliebt war und mit ihr, in moderner Sprache gesagt, einen Seitensprung machen wollte. Der Göttervater liebte es, sich in allerlei Gestalten mit schönen Irdischen zu vereinen. Damit ihm seine neue Affäre heimlich gelingen konnte, verwandelte er sich diesmal in einen Schwan. Als Léda einmal unbeobachtet, wie sie glaubte, im Fluss Eurotas, an dem Sparta lag, badete, stürmte plötzlich ein gewaltiger Schwan flügelschlagend aus dunklem Gewölk auf sie hernieder.
Das Motiv "Léda mit dem Schwan" ist seit dem Altertum bis in unsere Zeit immer wieder von Bildhauern und Malern dargestellt worden. Zum Beispiel, im Gemälde von Henri Matisse „Leda und der Schwan“:
Am Abend kehrte Léda zu Tyndáreos ins eheliche Schlafzimmer zurück. Das Ergebnis der zwei Liebesspiele waren die vier Kinder: Kástor, Polydeúkes (lat. = Póllux), Heléne und Klytaiméstra. Je zwei stammten von Zeús und von Tyndáreos. Je nach griechischer Quelle war Zeús der Vater von Kástor und Póllux (= Dioskuren) oder von Póllux und Heléne. Kástor und Póllux sind die Kopfsterne der Zwillinge.
Bereits im antiken Griechenland und im alten Rom wurden Höckerschwäne gehalten und als Seelenvögel verehrt.
Außerdem waren Schwäne immer schon das Symbol von Eros und Liebe: Sie sollten, wenn keine Pferde vorhanden waren, den Wagen der Venus und des Amor gezogen haben.
Dichter griffen immer wieder gern zum Thema Schwan, wenn es um Liebe, Jugend, Alter und Vergänglichkeit ging.
Englischen Mythologien liegt der kleinere Singschwan zugrunde, in Mitteleuropa – der Höckerschwan.
Auch in der Volkskunst und in der Literatur der slawischen Völker ist das Thema um die Schwäne sehr beliebt.
Illustration von A.M. Kurkin zum Märchen von Alexander Puschkin „Märchen vom Zaren Saltan, von seinem Sohn, dem berühmten und mächtigen Recken Fürst Gwidon Saltanowitsch und von der wunderschönen Schwanenprinzessin“.
An ihrer erhabenen Schönheit mag es liegen, dass alle Schwäne den Menschen mit Sehnsucht erfüllen, die sie wünschen lässt, das seien menschliche Wesen im Schwanengewand. Es gibt so viele Schwanenmärchen, die verzauberte Jungfrauen oder Prinzen besingen, dass sie ein Buch füllen können. Aber auch alle Engel im Kirchengewölbe tragen Schwanenflügel, denn der hohe Flug und das blendend weiße Gefieder verleihen ihnen die ätherische Unendlichkeit des Himmels.
Sehr bekannt ist die keltische Sage über die Kinder vom König Lear. Er ist eine der traurigsten Gestalten der irischen Sagenwelt.
König Lear hatte vier Kinder. Die liebte er so sehr, dass die Stiefmutter vor Eifersucht tobte. Eines Tages führte sie die Kinder an einen See und verzauberte sie in Schwäne, die von da an 900 Jahre lang auf den Gewässern Irlands ihr Dasein fristen sollten. Kaum hatte die Stiefmutter den Zauber ausgesprochen, wurde sie von Gewissensbissen gequält und schenkte den Schwänen die Gabe überirdisch schönen Gesangs.
In Schwanengestalt bewahrten sie jedoch ihr Menschengedächtniss und ihre menschliche Persönlichkeit. Die Beschreibung ihrer Wanderung durch die Wüste in Vogelgestalt, aber mit menschlicher Seele, ist von tiefer Bitterkeit und Traurigkeit durchdrungen. Diese keltische Sage zeigt uns noch mal, dass die Welt des Menschen ein Teil der Tierwelt ist. Der Schwanengesang von König Lears Kindern hatte die Macht, die Menschen zu beruhigen und zu heilen.
Nachdem König Lear erfuhr, dass seine Kinder in Schwäne verzaubert worden waren, verfügte er, dass in ganz Irland kein Schwan mehr getötet werden durfte. Dieses Gesetz gilt heute noch: Wer einen Schwan tötet, macht sich strafbar.
Nach genau 900 Jahren erhielten die Kinder König Lears wiederum ihre menschliche Gestalt zurück, starben jedoch kurz darauf.
Bei den bei uns in Deutschland üblichen Schwänen handelt es sich um den Höckerschwan. Mit seinem Gewicht bis 22,5 kg gehört der Höckerschwan zu den größten und schwersten flugfähigen Vögeln überhaupt. Die Höckerschwäne imponieren in unseren Gegenden durch ihre "Farbe", strahlendes Weiß (tatsächlich ist das Gefieder farblos, erscheint aber durch die Brechung der Sonnenstrahlen als weiß), durch ihren langen S-förmigen Hals, durch ihre Größe bis zu 160 cm lang und durch ihre Flügelspanne bis zu 260-270 cm. Aber nicht alle Schwäne sind weiß.
In Australien, Tasmanien und Neuseeland ist der schwarze Schwan – Trauerschwan (Bild unten) - beheimatet.In Europa kommen ausschließlich ausgesetzte und verwilderte Trauerschwäne vor. Vereinzelt brütet inzwischen der Trauerschwan aber auch bei uns in der freien Wildbahn. Ich hatte Glück gehabt, vor zwei Jahren zwei Trauerschwäne an der Lieper Bucht an der Havel zu beobachten und aufzunehmen; aber auch einen am Tegeler See im April 2010.
Merkmale eines Höckerschwans: Das Gefieder ist bei erwachsenen Männchen und Weibchen ganz weiß. Der Schnabel ist orangerot mit einem schwarzen Nagel und schwarzem Grund. Auffällig ist der schwarze Höcker oberhalb der Schnabelwurzel. Der Höcker beim Männchen ist stärker ausgebildet als beim Weibchen. Trotz seiner Flügelspannweite hat er seine Startschwierigkeiten und natürlich auch seine Landeprobleme. Ein idealer Zeitpunkt für Naturfotografen, um Aufnahmen zu machen. Er braucht ca. 15-20 m Anlauf und muss korrekt auf die Windrichtung achten, da er es gegen den Wind leichter hat. Beim Fliegen erzeugen die Schwingen ein seltsam hörbares singendes Fluggeräusch, das nur der Höckerschwan hat und das gewiss auf dem Zug auch zur Stimmfühlung bei Nebel und Nacht wichtig ist. Der Flug der Schwäne hat etwas Überwältigendes. Es gibt kaum Schöneres als ein fliegendes Schwanenpaar, das in vollendeter Harmonie die Schwingen bewegt und scheinbar schwerelos durch die Lüfte gleitet.
Der Höckerschwan heißt mit seinem lateinischen Namen Cygnus olor der Stumme Schwan, aber so stumm ist er nicht. Selten hört man mehr als ein ärgerliches Schnarren oder Zischen. Aber er kann im Streit auch laut und hell trompeten wie ein Kranich.
Ein Schwanenpaar bindet sich für das ganze Leben lang.
Schwäne brüten an stehenden oder langsam fließenden Gewässern mit reichem Nahrungsangebot in Form von Wasserpflanzen oder Fütterung durch den Menschen im Winter. Der Höckerschwan ist reiner Vegetarier, der bevorzugt Unterwasserpflanzen abweidet und damit mineralisiert. Damit nutzt er jedem Gewässer, weil sich kein Faulschlamm mehr bilden kann. So tief sein Hals noch reicht, 1-1,25 m, weidet er sie ab. Aber ihre begrenzte Menge setzt für eine Schwanenfamilie, die satt werden will, immer ein Revier voraus. Ihr Kampf um ein Revier ist ein Teil ihres Wesens. Wer kein Revier erkämpft, der hat für seine Kinder auch keine Nahrungsgrundlage.
Ein Schwanenpaar hält treu an seinem Brutgebiet fest. Ein Revierschwan beginnt Mitte Februar, sein altes Nest zu reparieren. Irgendwann liegen 5 - 8 Eier darin, aus denen nach etwa 35-40 Tagen flauschige Küken schlüpfen. Wenn die Schwänin im Nest brütet, und der Schwanenvater sein Revier überwacht, ist Vorsicht geboten. In dieser Zeit kann der männliche Schwan sehr aggressiv sein. Ein Flügelschlag kann den Arm des Menschen brechen. Obwohl die Eier nicht an einem Tag gelegt werden, schlüpfen die Küken am gleichen Tag. In vielen Vogelbüchern heißt es, dass nur die Schwänin brütet. Das ist aber falsch. Die Brutablösung findet statt. Der Vater brütet, und brütet hartnäckig. Doch wenn in rascher Folge die Eierschalen springen, ist das die Mamas Sache.
Sobald die Küken trocken sind, werden sie unter der Obhut beider Eltern einen ersten Ausflug unternehmen. Doch zum Schlafen kehrt die Schwanenfamilie immer wieder in das Nest zurück.
Es ist stets ein rührendes Bild, wenn die Kinderschar der Mutter folgt und der Vater schützend und oft drohend hinter ihnen rudert. Oft ruhen die Küken geborgen auf dem Rücken der Mutter aus. Das Schiff „Mama“ ist immer für sie da, besonders, wenn Gefahr plötzlich da ist. Doch alle Sorgfalt nutzt nicht viel. Nicht alle Jungen überleben die ersten Lebenswochen. Eines wird von einem Hecht gepackt, ein anderes – von einer Rohrweihe, von einem Marder oder einem Fuchs. Die Jugendsterblichkeit ist bei dem so wehrhaften Schwan sehr groß. Jungschwäne haben kürzere Hälse als Altschwäne und können noch nicht so tief die Unterwasserpflanzen erschließen.
Im Alter von ca. 5 Monaten legen die Jungschwäne ihr braunes Jugendgefieder an und sind schon flugfähig. Aber sie werden 3-4 Jahre brauchen, bis sie solch ein wunderbares Federkleid wie die Eltern haben, einen Lebenspartner finden und sich ein Brutrevier suchen können.
Von Natur aus Zugvögel, können die Höckerschwäne im Winter Wanderungen von mehr als 1000 km zurücklegen, um in milden Lagen Europas zu überwintern.
Gegen die Kälte schützt sie ihr dichtes Gefieder. Amerikanische Wissenschaftler haben 25.216 Federn nachgezählt, von denen alleine runde 20.000 als Schwanenpelz Kopf und Hals bedecken. Den Menschen zum Entzücken kann der imponierende Schwan seine schneeweißen Federn wie eine Blüte entfalten.
Ein russisches Sprichwort sagt, dass die Schwäne den Winter auf ihren Schwingen tragen. Ziehen sie schlagartig weiter, folgt immer eine Kälteperiode.
Im Winter kann man in Mitteleuropa noch zwei andere Schwanenarten beobachten: den Singschwan und den Zwergschwan. Beide haben gelbe Felder am Schnabel. Der Singschwan ist so groß wie der Höckerschwan, trägt seinen Hals aber meist gerade, nicht S-förmig. Er lässt ein lautes Trompeten hören. Der Vogel brütet an Weihern und Seen in Skandinavien und auf Island. Als Wintergast sieht man ihn in Mitteleuropa auf Weihern, Seen und großen Flüssen. Zur Nahrungssuche fliegen die Schwäne auf Wiesen und Felder. Im März ziehen sie wieder nach Norden ab. Ähnlich, aber deutlich kleiner ist der Zwergschwan, der in Mitteleuropa ebenfalls nur als Wintergast zu beobachten ist.
Der in Nordamerika beheimatete Trompeterschwan war in den 1930er Jahren stark vom Aussterben bedroht. 1935 ging man davon aus, dass nur noch 69 Individuen existierten. Der Trompeterschwan zeigt ein ähnliches Verhalten und eine ähnliche Brutbiologie wie der Singschwan in Nordeurasien. Die IUCN beziffert die Gesamtpopulation des Trompeterschwans auf etwa 18.000 Tiere. Die Art gilt gegenwärtig als ungefährdet.
Der Pfeifschwan brütet in den Tundren Nordamerikas, in Alaska und Kanada. Er überwintert weiter im Süden in den Vereinigten Staaten.
Noch drei Arten von Schwänen leben unterhalb des Äquators: der oben erwähnte Trauerschwan in Australien, Neuseeland und Tasmanien, der Coscoroba-Schwan und der
Schwarzhalsschwan (Bild links). Die beiden letzt genannten Arten leben im südlichen Südamerika. Der Coscoroba-Schwan hat für einen Schwan einen kurzen Hals und lange Beine. Der Schwarzhalsschwan hat einen roten Nasenhöcker, der eine ungleichmäßige Form aufweist.
Ljubow Venaliso, Oktober 2011
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